Ärger mit der Bootswerft in Pleinfeld

Ein Thema, dass fast jeden Bootseigner irgendwann einmal trifft. Ärger mit dem Handwerksbetrieb der einen Auftrag am Boot nicht so durchführt wie es ausgemacht war.

In meinem Fall ein Unternehmen in Pleinfeld. Obwohl jeder weiß, das der „Meister“ ein, jetzt muss ich echt überleben ob es da ein Wort der Beschreibung gibt, nein gibt es nicht. Jeder der ihn kennt, der weiß was ich sagen will. Wer ihn nicht kennt, nehmt lieber Abstand. Aber von Anfang an:

Vor einigen Jahren hatte ich unsere Etap 21i dort um das Unterwasserschiff neu aufzubauen. Ein seitenlanges Angebot mit vielen unnützen und verwirrenden Informationen in einem Stil der an einen Aufsatz in der Grundschule erinnern mag. Ok, seltsam war er eh aber viel Auswahl gab es nicht und er hatte uns Unerfahrene zu unserem vorigen 470er, aus unserer damaligen Sicht, ganz gut beraten.

Gesagt getan und ohne Zeitdruck dauerte es damals ein Weilchen bis die Rechnung kam. Knapp 50% über dem Angebot und mehrere Tätigkeiten die nicht abgesprochen oder beauftragt waren. Ich hab mich erst geärgert, dann aber gesehen, dass ich diese „Updates“ gebucht hätte wen mir dies jemand mitgeteilt hätte, dass diese notwendig sind. So war ich am Ende ganz zufrieden, bezahlte und segelte davon.

Nun ist ein Unterwasserschiff neu aufzubauen keine große Sache. Wenn der Rumpf in Ordnung ist, wird abgeschliffen oder abgekratzt und dann mit der Rolle mehrere Schichten aufgetragen. Professionelle Unternehmen machen das heute per Spritzpistole um ein gleichmäßiges Ergebnis zu erlangen. Leider sind die zu weit weg für mich und die rufen erstaunliche Preise dafür auf.

Unsere Linguini ist ja nun nicht sooo alt. Aber ich hatte vor 3 Jahren beim Nachbessern des Antifoulings eine, wie ich meine schlechte Dose erwischt. Sie hat sich schon nicht so gut rollen lassen und ich habe übermäßig viel benötigt um den Rumpf zu rollen (selbe gute Rollen wie immer). Ich dachte mir nichts dabei und gut. Im letzten Jahr nun wieder eine Schicht Antifouling gestrichen, zuvor natürlich sauber abgedampft und angeschliffen. Nur leider hat es sich innerhalb der Saison bereits gezeigt, dass die beiden Schichten nicht gut miteinander können. Keine Ahnung ob ich einen Fehler gemacht hatte oder ob es wirklich, so wie ich annehme, das Material war. Das Zeug muss runter. Und wenn wir schon dabei sind, runter bis aufs Gelcoat und neu aufbauen. nach 12 Jahren kann man das schon mal machen auch wenn andere hier noch 20 Jahre mit segeln würden. Speed rulez!

Ich hatte einige Werften kontaktiert, aber das Problem war die Entfernung und eine zeitliche Komponente die mir Probleme bereitete. 1. gehen wir auf eine längere Urlaubsreise, dann ist Winter (Transport) und ich muss noch das Teak entfernen und den neuen Belag aufkleben plus einige andere Arbeiten. Dafür brauchts einen geheizte Halle oder nette Temperaturen. Dazu kommt die Parksituation in meiner Winterplatz Halle. Also alles Bedingungen die dazu führen, dass ich das Unterwasserschiff bis zu eine bestimmten Datum, in dem Fall der 21.10.2023 fertiggestellt haben will.

Damit das klappt, habe ich mit dem Herrn mehrere Gespräche geführt und ihm erklärt, das Datum ist fix und ich hole mein Boot deshalb extra 6 Wochen vor Saisonende aus dem Wasser. Wer den Brombachsee kennt, der weiß das herbstliche Segelwetter zu schätzen. Gute beständige Winde, und wenn dann noch die Sonne mitspielt – wunderschön. SPOILER: Der September und der Oktober waren ne Wucht was das Segeln anbelangt.

Aber man muss Prioritäten setzen. Der Auftrag wurde schriftlich mit einem klaren Fertigstellungsdatum in Auftrag gegeben. Ich habe auf dem Auftrag, aus guter Erfahrung vermerkt, dass es eine Preisobergrenze gibt und der Herr mich über alle Arbeiten, die nicht in der Auftragsvergabe enthalten sind, vor Ausführung in Kenntnis setzen muss. Die Anzahlung von € 1.000,- leistete ich direkt, damit mein Fertigstellungstermin auch in jedem Fall gehalten werden kann, sein O-Ton.

Linguini aus dem Wasser gekrant. Das Unterwasserschiff am Kran mit dem Dampfstrahler abgedampft. Sicher nicht so gründlich wie sonst, das Zeug kommt ja eh alles runter.

Auf dem Trailer dort abgestellt. Dann begann ein elends langer Monolog des Herrn. Voller Lobeshymnen auf sich selber und seiner puren Arroganz. Er weiß alles und das definitiv besser. Alles! Dabei ist alles was man eventuell anders macht, so wie es definitiv professionelle Werften unter Umständen vorschlagen und durchführen, all das ist natürlich Mist und nur er hat die Weisheit mit Löffeln gefressen. Ok, solche Menschen soll man einfach reden lassen. Am Ende will ich von ihm eine einfache handwerkliche Leistung, mehr nicht. Er sagt noch so einiges was er mit dem Boot machen wird. Ich stelle Linguini auf der Wiese vor seinem Gelände ab und verabschiede mich. Die anschließende Bemerkung meiner Frau weiß ich nicht mehr im Detail aber man könnte sie mit nachhaltigem Kopfschütteln beschreiben.

So gingen die Tage ins Land und ich war mit der CAD Zeichnung für meinen neuen Decksbelag beschäftigt. Viel Arbeit noch dazu – langweilig wird es nie.

Eine Woche vor Fertigstellungstermin frage ich per Mail nach dem Status an. Keine Reaktion in 2 Tagen. Noch eine Mail und noch eine. Einen Tag vor dem eigentlichen Termin, also am 20.10.2023 griff ich dann zum Hörer und rief an.

Ich versuche jetzt das Gespräch in seiner Struktur so wiederzugeben wie es war und die wesentlichen Konversationselemente zu dokumentieren. Alles bekomme ich nicht mehr zusammen, dass Wichtigste schon.

Ich begrüße den Herrn. Als er realisierte um wen bzw. um welches Boot es geht war sein erster Satz: „Ja klar, Sie sind ja der Wichtigste!“ was er damit sagen wollte ist mir schleierhaft. Ich frage nach dem Status meines Bootes, das ich ja morgen abholen will. Er fängt an zu lamentieren, dass ein Boot seine Halle blockiert aber das sei mir ja egal, womit er im Grunde recht hat, das ist mir egal. Das Boot stand übrigens auch dort als ich Linguini abgegeben habe. Ich frage ihn mehrfach was denn bereits am Boot gemacht wurde. Er kann oder will es nicht beantworten sondern erzählt mir; und das ist nun 1:1 O-Ton: „Wissen Sie, meine Kunden sind kleine oder große Arschlöcher!“. Mein Adrenalin steigt, ich beherrsche mich aber und wiederhole mehrfach die Frage was denn nun bereits gemacht ist. Er entgegnet irgendwann, dass er schauen müsste. Mir war relativ klar, da ist nichts geschehen und ich versuche ihm zu erklären (siehe weiter oben) warum ich mein Boot dann unverrichteter Dinge abholen werde.

Er legt einfach auf.

In dem Moment war ich immer noch vollkommen ruhig und rufe ihn nochmal an. Er legt direkt wieder auf. Ich wähle nochmals und er geht wieder ran obgleich er eigentlich wissen müsste, dass ich das wieder bin. Ich ermahne ihn nicht aufzulegen weil ich ihm meine Lage erklären will und ich hier nicht wirklich anders kann. Eigentlich komplett unsinnig. Ein Termin war fix vereinbart, das ist die wesentliche Vertragsgrundlage. Anderenfalls müsste ich mein Boot über Winter bei ihm lassen, was ich nicht machen werde. Er legte wieder auf ohne zuzuhören.

Wow, was ein ………… Ich setze mich sofort ins Auto und fahre hin, komme dort 1.5 Stunden später an und da steht Linguini, nun auf der anderen Seite der Wiese und davor parkt sein SUV.

Ich geh in sein Büro und er erzählt mir die selbe Story vom Boot das die Halle (ein Zelt) blockiert und der Eigner sich seit (in dem Fall Wochen oder mehr) nicht entscheiden kann was geschehen soll. Mit dem Wissen um selbiges, eine ausgemachte Lüge.

Fahren Sie bitte ihren Wagen weg! Er schüttelt den Kopf und läuft umher. Ich gehe hinterher und ab da wird die Diskussion hitzig. Dieses kleine …… Etwas denkt doch tatsächlich, dass er mit seiner Rumpelstilzchen Manier irgendwas bewirken kann. Ich rufe die Polizei!

Die Polizei Weißenburg kommt auch relativ flott und ich erkläre die Situation. Sie gehen in das Büro, ich darf da leider nicht mit. Was er ihnen erzählt weiß ich nicht, kann es mir aber denken das es stark an geistige Diarrhöe erinnert.

Die Polizei kommt wieder raus und hinter ihnen der werte Herr. Er zeigt ihnen noch, was wohl anscheinend gemacht wurde, der Wasserpass gereinigt, fährt dann aber seinen PKW weg. Die Polizisten helfen mir noch Linguini anzukuppeln, der Trailer war in die Wiese eingesunken, und ich fahre mit Boot nach Hause.

Boah, das war ein Tag! Ich bin aber recht stolz, dass ich relativ ruhig und sachlich blieb. Ein anderer hätte den dicken Käfer direkt auf den Rücken gelegt und zappeln lassen.

Zu Hause angekommen die anscheinend geleistete Arbeit am Wasserpass begutachtet. Nun ist mein Boot immer sehr gut gepflegt. Es wurde eventuell etwas gemacht, aber wie es scheint schnell schnell wohl direkt bevor ich gekommen bin. Egal. Es war nichts derartiges beauftragt worden.

Ich setzte sogleich ein Einschreiben auf und fordere de Rückzahlung meiner Anzahlung mit einer Frist von 16 Tagen. Abgehakt und ab in den Urlaub. Thailand, wundervoll!

Die Frist lief im Urlaub ab und wie vermutet, kein Geldeingang auf meinem Konto. Ich beauftragte aus dem Urlaub heraus eine Kanzlei. Es war gar nicht so einfach jemanden zu bekommen der bei dem vermeintlich kleinen Streitwert Lust darauf hat. Doch es geht um mehr als die Rückzahlung der Anzahlung. Wir vereinbaren jedoch zu warten bis ich aus dem Urlaub zurück bin. Es eilt nicht und das Geld ist Peanuts!

So ziemlich am Ende unserer Reise erhalte ich dann per E-Mail eine Rechnung. Eine Rechnung über das Reinigen des Wasserpass. Irgendwann werde ich den Text veröffentlichen, er ist amüsant, dumm, dreist und zeigt Herrn K. und sein Geschäftsgebaren 1:1.

Der Betrag sind knapp € 400,- für das Reinigen eines gepflegten Wasserpass eines 7.5 Meter Bootes. Jeder der sein Boot schonmal entsprechend behandelt hat wird jetzt laut lachen. Ein 30 Minuten Job wenn man es richtig macht.

Spoiler: Ich habe das bei der Dölker Werft erzählt, der hat sich vor Grinsen nimmer retten können, dafür aber gleich mal einen Test unter Stoppuhr an einem wirklich siffigen Wasserpass gemacht. Während des Reinigens konnte er sich kaum einkriegen wie unglaublich das ist. Wir haben hochgerechnet und mein Boot würde in unter 10 Minuten einen gereinigten Wasserpass haben. Das anschließende abspülen mit dem Wasserschlauch ist hier allerdings nicht enthalten

Das Gute ist, ich habe Bilder direkt vor dem Abgeben des Bootes, die einwandfrei zeigen, da ist alles sehr sauber. Ach so ja, nach seiner Dokumentation hat er die Arbeiten auf der Wiese durchgeführt. Seinen „Spezialreiniger“ auf unversiegelter Grünfläche eingesetzt. Das dürfte der Umweltschutzbehörde nicht wirklich gefallen. Alle Reiniger, die man als Spezialreiniger bezeichnen kann, haben ein klares Verbot solch einer Anwendung. Da hilft auch die zusammengeknüllte Folie nicht auf einem Bild. Als Schutz des Trailers. Aha, aber ins Erdreich darf das Zeug? Die Folie stand übrigens auch auf der Rechnung genauso wie eine sinnlose „Qualitätsdokumentation“ in Bildern.

Lange Rede kurzer Sinn. Die Arbeiten waren nicht beauftragt, das wurde sogar von seinem, wie ich meine virtuellen Vertriebsmitarbeiter, den noch nie jemand gesehen hat, bestätigt. Das Schreiben war aus seiner Sicht ziemlich dumm, doch gut für mich.

Neben der Tatsache, dass ich 6 Wochen Segelspaß aufgegeben habe um mein Boot fristgerecht fertig zu bekommen, sind nun auch die Stellen, an denen testhalber bis zum Gelcoat runtergekratzt wurde und diese überzogene und im Kern nicht beauftragte Arbeiten zu klären. Schadensersatz ist immer schwierig aber ich bestehe darauf.

Ich werde sehen. Das wird sicherlich noch eine Zeit dauern aber die Kanzlei macht das ganz gut.

Bei dem ganzen Pech aber auch etwas Glück. Ich habe eine Werft, ganz in der Nähe zu meinem Wohnort am Neckar gefunden, die mir bis dato gänzlich unbekannt war. Ein großer Betrieb, nette Leute ohne dummes Geschwätz und gute Preise. Deutlich billiger als in Pleinfeld! Eine Referenz konnte ich bereits befragen und die Arbeit ist wohl ohne Tadel. Bis Mitte/Ende Januar wird es dauern. Wahrscheinlich lass ich dann gleich noch andere Sachen machen und Linguini bleibt dort so lange in der Halle stehen. Bin gespannt.

Die Erfahrung mit Handwerkern im Bootsbereich ist schon echt schwierig. Es sind sehr gute darunter! Aber wenn man nicht gerade an der Küste ist, ist es schon verhältnismäßig schwierig die Guten zu finden. Es gibt halt leider doch ein paar echt schwarze Schafe darunter. Aber trotz dieser Abhängigkeit darf man so etwas nicht tolerieren und muss sich immer gegen die Idioten dieser Welt zur Wehr setzen.

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